Trachtenverkauf – so gehts auch.

Twitter Beitrag auf der Seite des bayrischen Rundfunks:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/tweet-ueber-herzlichkeit-von-dirndl-verkaeuferinnen-geht-viral,RNt0UEI

Die letzten Tage habe ich öfter einen Twitter-Beitrag, der über den Bayrischen Rundfunk viral gegangen ist weitergeleitet bekommen. Es ist eine Art Live Bericht eines Verkaufsgespräches im Trachtengeschäft mit einer resoluten Verkäuferin. Ich musste recht schmunzeln – das ist wirklich lustig und trocken mitdokumentiert. Ich bin überzeugt dass die Dame aus dem Verkauf wirklich weiß was sie macht, und ich bin sicher, dass die Kundin am Schluss mit einer blitzsauberen Dirndlausstattung den Laden verlassen hat.
Ich darf gleich vorweg nehmen: die Szene ist nicht bei uns im Geschäft passiert. Obwohl wir unter unseren 40 Mitarbeiterinnen auch eine namens Elfriede haben und  eine Kollegin, die vermutlich eine Bundeswehrübung ohne weiteres kompetent leiten könnte. Gelernt kompetent ist sie in allen Fragen rund um die Tracht – bei Ihr verlässt keine Kundschaft das Haus, wenn sie nicht perfekt aussieht. Der Ton ist rauh aber herzlich – und es wird nicht viel Zeit mit Blabla und Honig um das Maul schmieren verschwendet.
Trotzdem hinterlässt mich der Tweet und auch dessen Auswirkungen mit gemischten Gefühlen. Erstens finde ich da einige Dinge darin, die weder als bayrischer Lokalkolorit oder eventuell als “gschert” oder “hogelbuachan” durchgehen könnten, das geht schon eher in Richtung Beleidigung – wenn auch sicherlich unabsichtlich.
Dieser Tweet wird in weiten Teilen verständnisvoll und mit Augenzwinkern kommentiert, das freut mich sehr, weil es zeigt dass viele Menschen so eine Art durchaus einordnen können und sich nicht persönlich beleidigt fühlen. Allerdings passt es nicht so ganz zu dem, was wir die letzten Jahre im Geschäft miterleben: Mitarbeiterinnen im Verkauf werden doch gerne mal nicht auf Augenhöhe behandelt.

Wir führen unser Geschäft seit Jahren nach der Maxime: Der Kunde ist unser lieber Gast. Nicht König. Leider fordern das jedoch einige Kunden ein, auf eine Art und Weise wie sie erst die heutige Zeit ermöglicht. Wenn mal z.B. eine Kundin bittet, dass sie probierten Seidendirndl bitte auf den Bügel hängen möge und nicht auf links gedreht auf den Boden werfen da es den edlen Stoffen schaden könnte, kann erstaunliches passieren. Variante 1 : Die Mutter der jungen Dame wirft einem einen dankbaren Blick zu, aus der Umkleide kommt ein “Oh Entschuldigung!” und die Dirndl landen auf dem Bügel. Variante 2 kommt genauso vor und ist leider nicht so schön: Schweigen aus der Umkleide, das nächste Dirndl auf dem Boden und 3 Minuten später stürzt eine höchst beleidigte Kundin mit Tränen auf den Wimpernverlängerungen aus der Umkleide und lamentiert laut über die Unverschämtheit der Verkäuferin. Noch auf dem Parkplatz im Auto wird die miese Bewertung auf eine Internetplattform gestellt.
Da hilft es wenig, dass alle anderen anwesenden Kunden bestätigen, dass das Verhalten der Kundin ungezogen und unverhältnismäßig war – die Bewertung ist online und als Außenwirkung unkommentiert für alle sichtbar.
In diesem Spannungsfeld arbeiten wir jeden Tag – und wir tun das mit Liebe, und nichts ist schöner wenn eine Kundschaft fesch und zufrieden unser Geschäft verlässt. Und das ist bei uns normal! Nur mit positivem Normalsein bekommt man eben keine Aufmerksamkeit heutzutage: – ein als normal angenehm empfundenes Einkaufserlebnis wird z.B. selten bewertet .Arbeitszeit wird in vielen Handelsunternehmen  überproportional von schwierigen, zeitaufwendigen, unsicheren und unverschämten Kunden in Anspruch genommen, die netten, normalen, angenehmen, freundlichen hätten davon viel mehr verdient! Genauso sind in den Firmen die kollegialen, zuverlässigen, arbeitsamen Mitarbeiter die unbeachtete Menge der Angestellten, das Groß der Aufmerksamkeit entfällt auf die wenigen anderen. Aber leider ist es heutzutage so, dass nur Extremes viel Aufmerksamkeit bekommt: Das sieht man in den Medien, auf Instagram, in der Zeitung und jetzt leider auch beim Bayrischen Rundfunk.

Und so möchten wir hier mal als traditionelles bayrisches Trachtengeschäft (gegründet 1922) ned gschert und auch nicht unterwürfig unseren Kunden & MitarbeiterInnen danken: “Schee, dass Ihr so normal seids!”

Und wir strengen uns weiter an, den sympatischen normalen Kunden das Groß unserer Aufmerksamkeit zu widmen, und wenn dabei irgendwas rustikal rüberkommt denkt´s dran:

Es is auf alle Fälle liab gmoant – mia meng eich <3

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